Donnerstag, 16. November 2017

Zentralstelle Cybercrime Sachsen schaltet zwei Usenet-Portale ab

Einen beachtlichen Schlag gegen die Cyber-Kriminalität haben die Zentralstelle Cybercrime Sachsen (ZCS) der Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen (Sächsisches Cybercrime Competence Center – SN4C) vollzogen. 

Am 8. November 2017 wurden im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen gewerbsmäßiger unerlaubter Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken die Wohn- und Geschäftsräume von 26 Beschuldigten sowie Rechen-Zentren in Deutschland, Spanien, den Niederlanden, San Marino und der Schweiz durchsucht. Die 182 Einsatzkräfte wurden von Kollegen aus den jeweiligen Ländern unterstützt. Der gesamte Einsatz wurde mit Hilfe von Eurojust koordiniert.

Die Beschuldigten stehen im Verdacht, die Internet-Portale www.town.ag und www.usenet-town.com betrieben zu haben.

Bei www.town.ag und www.usenet-town.com handelte es sich um zwei der größten Online-Portale, über die unter systematischer und rechtswidriger Verletzung von Urheberrechten Zugang zu Filmen, Serien, Musik, Software, E-Books, Hörbüchern sowie Zeitungen und Zeitschriften (E-Paper) angeboten wurde. Die Nutzer hatten zuletzt Zugriff auf rund 400.000 bzw. 1.200.000 Titel. Zahlreichen Urheberrechtsinhabern entstand durch die strafbare Zugänglichmachung ihrer Werke ein Gesamtschaden von mehreren Millionen Euro. Die Betreiber der Plattformen ließen sich ihre Dienste und den Zugang zu den Werken über sogenannte "Sponsoren" vergüten und erzielten Einnahmen in Millionenhöhe.
In Spanien und Sachsen wurden Haftbefehle gegen zwei deutsche Staatsangehörige (39 und 31 Jahre alt) vollstreckt. Die Auslieferung des in Spanien festgenommenen, mutmaßlichen Kopfes der Gruppe wurde bereits beantragt.

Es gelang den Spezialisten zudem, die von den Beschuldigten betriebenen Internet-Portale www.town.ag und www.usenet-town.com vom Netz zu nehmen. Auf der Website der abgeschalteten Portale wurde das folgende Sicherstellungsbanner platziert:


Auf den Servern wurden über 1.000 Gigabyte Daten gesichert und zudem zahlreiche Computer und Datenträger der Beschuldigten sichergestellt. Die Ermittlungen dauern an.

Die Zentralstelle Cybercrime Sachsen (ZCS) wurde zum 15. März 2016 bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden errichtet. Sie ist im Bereich der Justiz zentraler Ansprechpartner in Fragen der Bekämpfung von Cyber-Kriminalität und landesweit zuständig für die Bearbeitung herausgehobener Strafverfahren in diesem Bereich. Die Ermittlungen werden regelmäßig in Zusammenarbeit mit den Spezialisten des Sächsischen Cybercrime Competence Centers (SN4C) beim LKA Sachsen geführt.

Eurojust ist eine Justizbehörde der Europäischen Union mit Sitz in Den Haag/Niederlande. Sie unterstützt die justizielle Zusammenarbeit und koordiniert grenzüberschreitende Strafverfahren in Europa.