Donnerstag, 10. Oktober 2013

Rechnungen von Getty Images International wegen unberechtigter Bildnutzung

Die Online-Fotoagentur Getty Images International versendet derzeit Rechnungen für die angeblich unberechtigte Nutzung von Fotos. Dabei geht Getty Images bekannt auch als gettyimages insbesondere gegen Nutzer vor, die nicht lizensierte Fotos, die sich schnell durch „copy & paste" aus dem Internet übertragen lassen, nutzen.

gettyimages gibt an, als „Repräsentant des Künstlers" berechtigt zu sein, Lizenzen für die Nutzung des Bildes verlangen zu dürfen. Für die Nutzung von Fotos berechnet Getty Images International zum Teil einige tausend Euro.

Die aus London/Großbritannien verschickten Schreiben sind zunächst verwirrend, da eine irische Besteuerung der geforderten Zahlsumme geltend gemacht wird und das Geld auf die Bank of America N.A. transferiert werden soll. Oft stellt sich bei Angeschriebenen die Frage , ob die Schreiben tatsächlich von gettyimages stammen. Grundsätzlich sollten die Schreiben erst genommen werden.

Ich vertrete Mandanten gegen Getty Images International. Ich rate zunächst davon ab, die geforderten Lizenzgebühren zu bezahlen. Zwar stellt die Verwendung von Fotos für die eigene Website im Internet grundsätzlich eine Urheberrechtsverletzung dar. Es ist jedoch keineswegs belegt, dass Getty Images International überhaupt legitimiert ist, den behaupteten Anspruch geltend zu machen. Dies würde voraussetzen, dass gettyimages Inhaberin eines ausschließlichen Nutzungsrechts an den Fotos ist. Anderenfalls gettyimages eine ordnungsgemäße Bevollmächtigung durch den Urheber nachzuweisen.

Ein üblicherweise bei Urheberrechtsverletzungen durch die Nutzung von Bildern geltend gemachter Unterlassungsanspruch wird durch Getty Images International nach uns vorliegenden Schreiben zunächst nicht verfolgt. Es geht in den Schreiben darum, in Anlehnung an die Lizenzbedingungen von Getty Images International eine Zahlsumme zu realisieren.

Die geforderte Summe ist nach verschiedenen Faktoren zu überprüfen: so spielt eine wesentliche Rolle die gewerbliche Ausrichtung der Homepage, die Größe des in eine Homepage eingeflochtenen Bildes, eine etwaige Spiegelung des Bildes, die Auflösung, Dauer der öffentlichen Zugänglichmachung, Klickzahlen etc.

Wenn tatsächlich Rechte von gettyimages verletzt wurden, ist die Angemessenheit der geforderten Summe zu überprüfen. Möglich ist es, als Ansatz zunächst die jährlichen Honorarempfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (sog. MFM-Liste) zu prüfen, wobei es sich bei diesen Vorgaben um eine einseitige Vergütungsvorstellung eines Interessensverbandes von Fotografen handelt.

Wenn Sie ein Forderungsschreiben von gettyimages erhalten haben, sollten Sie dieses Schreiben erst nehmen und zunächst prüfen, ob tatsächlich ein Bild von gettyimages genutzt wurde und ob insoweit eine Urheberrechtsverletzung besteht. Diese Prüfung sollte gerade bei bekannten Motiven genau vorgenommen werden

Jedenfalls erscheint aber der geforderte Schadensersatz als deutlich überhöht. Nach der Lizenzanalogie kann als Nutzungsentgelt gemäß § 97 Abs. 2 Satz 2 UrhG nur verlangt werden, was die Parteien redlicherweise vereinbart hätten. Da bei gettyimages die Bilder zum Teil kostenlos, zum Teil für 50,00 € lizenziert werden können, ist der geforderte Schadensersatz in der berechneten Höhe ab 1.000,00 € aufwärts absurd und auch nicht durchsetzbar.

Dennoch sollte die Angelegenheit ernst genommen werden. Es ist zur Sicherheit zu empfehlen, das Bild zu entfernen, eine modifizierte Unterlassungserklärung abzugeben und im Übrigen die Forderung abzuwehren.

In der Regel folgt ca. 6 Monate nach der Rechnungsstellung  eine Abmahnung der Kanzlei Waldorf Frommer, die in Deutschland Getty Images vertritt. Diese behauptet dann zumeist, dass eine Reaktion auf die Rechnungstellung nicht erfolgt ist.

Gern übernehme ich Ihre Vertretung. Nehmen Sie kostenlos und unverbindlich Kontakt zu mir auf.