Freitag, 27. September 2013

FAZ geht wegen der Rezensionen auch auf Onlinebuchhändler los - Autoren fangen an zu löschen

Hier hatte ich berichtet, dass die FAZ und die Süddeutsche einen Bariton abgemahnt hatten, der es gewagt hatte Kritiken, die in den Zeitungen erschienen waren auf seiner Internetseite zu verwenden. Sinn und Zweck der Abmahnung war es, dass der Bariton Lizenzgebühren zahlen sollte.

Aber das ist noch nicht alles.
Das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels berichtet  in seiner Onlineausgabe über einen Fall, der vor dem LG München verhandelt wird und der wohl weitreichende Folgen für den Handel mit Büchern haben wird.

Das Börsenblatt schreibt:
Im Rechtsstreit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gegen den Online-Händler buch.de hat das Landgericht München wenig Zweifel daran gelassen, dass sie diese Auffassung der FAZ im Grundsatz teile, sagte Börsenvereins-Rechtsanwältin Katharina Winter auf Anfrage.
Wesentlicher Streitpunkt zwischen FAZ und buch.de ist die Frage, ob die Verwendung von Pressestimmen bei der Online-Buchwerbung auch ohne gesonderte Lizenzierung zulässig ist. In der mündlichen Verhandlung am vergangenen Mittwoch habe das Gericht die Ansicht geäußert, dass buch.de sich bei der Online-Nutzung von Rezensionen weder auf das Zitatrecht noch auf eine gewohnheitsrechtliche Übung berufen könne, so Katharina Winter. Das Argument, dass die Online-Nutzung ebenso wie die seit Jahr und Tag geübte Branchenpraxis im Offline-Bereich gewohnheitsrechtlich ohne ausdrückliche Erlaubnis zulässig sein müsse, habe nicht verfangen.
Das Gericht wird in dem Rechtsstreit, dem die MVB und die Barsortimente Koch, Neff & Volckmar und Libri als Streithelfer seitens buch.de beigetreten sind, am 4. Oktober eine Entscheidung verkünden. Katharina Winter: "Das Gericht gab zu erkennen, dass es wohl den Anträgen der FAZ auf Unterlassung und Auskunft im Wege eines Teilurteils entsprechen und über den Antrag auf Zahlung von Schadensersatz erst in einem zweiten Schritt – nach Rechtskraft des Teilurteils und erteilter Auskunft – entscheiden wird." Das Gericht habe aber angeregt, dass die Parteien Gespräche, wenn auch nur über die Höhe der Zahlung, führten. 
Quelle: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels

Erste Autoren haben schon begonnen die Rezensionen von ihren Webseiten zu entfernen.
So hat der lesenswerte und deshalb absolut zu recht preisgekrönte Krimiautor Marc-Oliver Bischoff sämtliche Rezensionen von seiner Homepage entfern, wie er auf Facebook mitteilt.

weil mir das zu gefährlich wurde, habe ich nun alle Zeitungszitate bzgl. der Voliere von meiner Website entfernt. Schade eigentlich.

Urheberrechtlich ist die Entscheidung des LG München sehr wahrscheinlich treffen wird, wohl richtig, wobei jahrelange Übung ein nicht zu unterschätzendes Argument im Sinne von Treu und Glauben ist.

Aber führt dies zum Ziel? Und zu welchem?
Zahlen Verlage und/oder  Buchhändler in Zukunft für Rezensionen der Zeitungen und Zeitschriften? Und werden diese dann objektiv sein? Oder artet das in anstandslose Lobhudelei aus?
Wer am meisten zahlt bekommt die besten Kritiken? Und wer liest dann noch das Feuilleton einer Zeitung, wenn zu befürchten ist, dass dort nur noch gesponserte Kritiken und Rezensionen zu finden sind?  

Ob die FAZ sich damit nicht ins eigene Knie geschossen hat?!