Freitag, 11. Januar 2013

LG Düsseldorf: Aktmodell erhält Schmerzensgeld für Abdruck von Nacktfotos


Das Landgericht Düsseldorf sprach mit Urteil vom 16.11.2012, Az. 12 O 438/10 einem jungen Aktmodell  jetzt 5.000,- € Schmerzensgeld zu.

Die junge Frau hatte für die Ausstellung "Diana und Actaeon - Der verbotene Blick auf die Nacktheit" im Düsseldorfer Museum Kunst Palast im Evakostüm Modell gestanden und sich dabei fotografieren lassen. Das Museum veröffentlichte kurz darauf unerlaubt Aufnahmen von dieser Malaktion mit einer Ganzkörper-Nacktabbildung der Frau in seinem Programmheft für „FEBRUAR-JUNI 2009. Sehr zum Unmut des Models, das hiervon nichts wusste.

Nach Überzeugung des LG Düsseldorf  hatte das Aktmodell nicht in eine Veröffentlichung und Verbreitung des streitgegenständlichen Bildes in der Werbebroschüre eingewilligt.

Das LG Düsseldorf lehnte auch eine konkludente Einwilligung gemäß § 22 Satz 2 KUG ab.

„Schließlich rechtfertigt auch der Gedanke des § 22 Satz 2 KUG nicht die Annahme, die Klägerin habe ihre Einwilligung in die Veröffentlichung der Bilder erteilt. Nach dieser Vorschrift gilt die Einwilligung im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, dass er sich ablichten ließ, eine Entlohnung erhielt. Im vorliegenden Fall hat die Klägerin zwar unstreitig eine Vergütung in Höhe von 250,- EUR erhalten. Dieser Lohn wurde der Klägerin jedoch – was zwischen den Parteien ebenfalls unstreitig ist – nicht für die Anfertigung der Lichtbilder, sondern als Gegenleistung für ihre Modellarbeit gewährt. In einem solchem Fall findet die Vermutungsregel des § 22 Satz 2 KUG keine Anwendung (Wandtke/Bullinger – Fricke, 3. Aufl. 2009, § 22 KUG Rn. 18 mwN).“

Durch die unerlaubte Veröffentlichung des Aktfotos werde die Klägerin in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt. Jeder, der Bilder eines anderen verbreiten will, müsse vorab prüfen, wie weit seine Veröffentlichungsbefugnis reiche. Dies müsse erst recht dann gelten, wenn es sich – wie hier – um ein Nacktbild handelt, welches in besonders starkem Maße die Intimsphäre des Abgebildeten berührt, so schon der  BGH in NJW 1985, 1617 (1619).

„Die Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Klägerin stellt sich auch als schwerwiegend dar. Für die Argumentation der Beklagten, dass derjenige, der sich freiwillig nackt zeigt und „den eigenen nackten Körper als `Anschauungsobjekt` beschreibt", sich nicht ohne Widerspruch auf einen Eingriff in sein Persönlichkeitsrecht berufen könne, wenn Nacktfotos von ihm veröffentlicht werden, sieht die Kammer keine Grundlage. Als Ausfluss des verfassungsrechtlich geschützten Persönlichkeitsrechts muss es vielmehr jedem Menschen frei stehen, zu entscheiden, ob und welchem Personenkreis Einblicke in die Intimsphäre gestattet werden sollen.“

Die schuldhafte Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts rechtfertige die Verurteilung zur Zahlung eines Schmerzensgeldes. Ohne einen solchen Anspruch bliebe die Verletzung der Würde und Ehre des Menschen häufig ohne Sanktionen. Dies habe zur Folge, dass der Rechtsschutz der Persönlichkeit verkümmern würde. Hier stehe der Gesichtspunkt der Genugtuung des Opfers im Vordergrund.

Neben dem Anspruch auf Schmerzensgeld in Höhe von 5.000,- € aus § 823 Abs. 1 BGB i.V.m. Art. 1, 2 Abs. 1 GG, hat das  Aktmodell zudem einen Anspruch auf Unterlassung gem. §§ 823 Abs. 1, 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB i.V.m. § 22 KUG sowie einen Anspruch auf  Erstattung der Rechtsanwaltskosten in Höhe von 489,45 €.