Montag, 19. November 2012

Streitschrift Urheberrecht , nach dem BGH-Urteil "Morpheus"

Der Bundesverband der Musikindustrie hat sich nach der Pressemitteilung des  BGH zum Filesharing vom vergangenen Donnerstag, in welchem Eltern attestiert worden war ihre Kinder nicht per se und vorab kontrollieren zu müssen, zu Wort gemeldet. Nichts anderes hatte man erwartet.

Der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), Florian Drücke hebt mahnend den Finger und sagt auf der Verbandshomepage:
"Die aktuelle Erklärung des BGH sollte keinesfalls als ein Freifahrtschein für betroffene Eltern bzw. ihre Kinder zum „sorglosen Filesharing“ missinterpretiert werden. Jedenfalls ist die Pressemitteilung des BGH sicherlich nicht dahingehend zu verstehen, dass Eltern nach einmaliger Belehrung sich nun nicht mehr um das Surfverhalten ihrer Kinder kümmern müssen. Welche Maßnahmen Eltern konkret zu treffen haben – vor allem auch bei wiederholten Rechtsverletzungen – bleibt mit Blick auf die Urteilsgründe abzuwarten“.

Neben den stetig geforderten Hinweisen im Internet bevor eine Urheberrechtsverletzung begangen wird, folgt natürlich die Kritik an der Politik in Perso der Justizministerin, weil dies sich ja um solche, meiner Meinung nach technisch kaum umsetzbaren Hinweise, herumdrücken würde.

Den einzig wirklich sinnvollen Hinweis gibt Herr Drücke auch noch, nämlich den, dass man doch zunächst einmal die Urteilbegründung abwarten solle. Stimmt so weit, wenn nicht sogleich diese Forderung mit der Hoffnung verknüft worden wäre, "dass der BGH in seiner Urteilsbegründung die Chance wahrnehme, Eltern klarere Vorgaben für einen verantwortungsvollen Umgang ihrer Kinder mit dem Internet an die Hand zu geben: „Dabei kann und soll es nicht um eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung von Kindern gehen. Vielmehr sollten frühzeitig ein Bewusstsein für den Wert von Musik, Filmen oder Büchern vermittelt und die zahlreichen Wege aufzeigt werden, digitale Inhalte legal im Internet zu nutzen. So wie Eltern ihren Erziehungsauftrag in der physischen Welt selbstverständlich wahrnehmen, haben sie ihre Kinder auch in der Online-Welt zu schützen. Hier geht es letztlich um die Medienkompetenz der Eltern und der Kinder“

Was ist das nun? Das Rufen im dunklen Wald? Oder der berechtigte Wunsch, der BGH möge der Musikindustrie die Einnahmequelle sichern?

Vorab, der BGH hat weder in der Pressemitteilung anklingen lassen und wird das auch in der Begründung nicht ausführen, dass Urheberrechtsverletzungen rechtens sind oder werden, denn die Rechte der Urheber müssen geschützt werden und bleiben, und zwar die Rechte sämtlicher Urheber, ganz gleich, ob Maler, Fotografen, Autoren, Softwareentwickler, Texter oder Komponisten.

Und klar ist auch, dass viele Künstler die Nutzungsrechte an Verlage und Unternehmen der Unterhaltungsindustrie abgeben oder abgeben müssen um die Rechte auch wahrnehmen zu können.

Aber falsch ist es, dass Unternehmen, die mit Digi ... sonstwas sich nur die Nutzungsrechte in Onlinetauschbörsen sichern können um dann massenhaft gegenvorwiegend Kinder und Jugendliche vorgehen zu können.

Falsch ist es jede Woche Top100-Charts aufzulegen, die nur Online bezogen werden können.

Richtig wäre, vor allem in Zeiten in denen Eltern auf ihren privaten Rechnern zu einem nicht unerheblichen Teil kopierte Software ( z.B. OfficePakete) nutzen (hat ja der Kollege schon bezahlt), in Zeiten in denen Lehrer Gedichte, Lieder und Bilder ohne Quellenangabe und Urhebernachweis für ganze Klassen verwenden, wenn sich die Unternehmen der Unterhaltungsindustrie aufmachen würden in die Schulen und zunächst mal diese für das Thema "Urheberrecht" sensibilisieren würden.

Der stetig und ständig vorgetragene Hinweis der sog. Abmahnanwälte, dass über das Thema Filesharing ja in den Medien, gemeint sind wohl so Sender wie Sat1 und RTL, berichtet werde und man davon ja auf jeden Fall gehört haben müsse, sind genausowenig zielführend, wie der Hinweis, dass Eltern ja nun wissen müssten was ihre Kinder denn im Internet so treiben.

Was hätten wohl die Eltern derjenigen gesagt und getan, wenn man ihnen das vorgehalten hätte, dass sie doch immer wissen  und auch immer ihre Kinder kontrollieren müssen? Und welche Entwicklung hätten die genommen, die das heute fordern, wenn ihre Eltern sie ständig kontrolliert hätten?

Es ist absolut realitätsfern dies zu fordern und zu behaupten wenn Eltern dies nicht könnten, dann dürften halt die Kinder das Internet nicht nutzen.

Wenn schon Grundschulkinder der ersten und zweiten Klasse auf die Lernmöglichkeiten im Internet, z.B. Mathepirat, etc. hingewiesen werden, wenn die Recherchemöglichkeiten der Kinder und Jugendlichen in diesem Medium von den Schulen gefordert wird, wird erst dort der Bedarf nach Zugangsmöglichkeiten der Kinder geschaffen. Und dann muss auch dort die Schulung anfangen, dann muss dort das Verständnis für geistiges Eigentum, welches zu beachten gilt,  geschaffen werden.

Wenn das BGH-rteil kein Freifahrtschein sein soll, aber es egen auch keinen Freifahrtschein für diejenigen gibt, die da schreien "Wir haben Nutzungsrechte!", dann soll es vielleicht der Auftakt einer Diskussion sein, einer Diskussion über den Wert des Urheberrechts.