Donnerstag, 21. Juli 2011

Von Krähen, Elstern und Tauben

Einen interessanten Link bzw. Streit über das Werberecht von Rechtsanwälten in Bezug auf das Thema Filesharing-Abmahnung, welcher heute die twitter-Welt der Juristen, zumindest der netzaffinen, bewegt hat will ich hier nicht vorenthalten. Dabei war der alte Spruch, dass eine Krähe der anderen ...., ach Sie wissen schon.

Worum ging es. Der Berliner Kollege Dennis Sevriens tritt der Kritik des Münchner Kollegen Michael Gleiten an dem Kollegen Dr. Alexander Wachs aus der Hansestadt Hamburg und damit wohl indirekt auch anderen Kollegen bei. Die Kritik bezieht sich auf das durch die Berufsordnung verbotene Werben um ein konkretes Mandat. Dieses Verbot ist in § 43b BRAO niedergelegt.

Dies ist tasächlich eine interessante Diskussion, bei  welchem die beiden Gegner wohl zu dem richtigen Ergebnis kommen, dass der Markt sich selbst regulieren wird und Werbeverbote nicht immer etwas bringen.

Eigentlich ein guter Zeitpunkt, um über das Werbeverbot des § 43b BRAO zu diskutieren. So schreibt Kollege Sevriens, dass Werbung, die ganz gezielt bestimmte Personengruppen anspricht, und bewusst Emotionen des Sendungsempfängers nutzt, ist auch Rechtsanwälten nicht verwehrt. Unzulässige, auf den Einzelfall gerichtete Werbung liegt beispielsweise vor, wenn der Anwalt zufällig Zeuge eines Verkehrsunfalls wird und statt erster Hilfe zu leisten, seine Visitenkarten an die Unfallbeteiligten verteilt und damit seine Dienste anbietet." Denn amerikanische Verhältnisse “ambulance chasing” will wohl kein Rechtsanwalt, nur sind wir weit weg davon, wenn am Wochenende, schließlich kommen die Abmahnungen ja auch ganz bewusst am Freitag oder Samstag, die Internetsuche von "kostenloser Ersteinschätzungen" zu jedweder Form der Abmahnung über kostenlose Servicerufnummern und "rund um die Uhr Kontakt" die zumeist verzweiflten Anschlussinhaber abfischen will? Ich glaube nicht. In Zeiten wo seitenlange Gegnerlisten jede der einschlägigen Abmahnkanzleien gleich mehrfach erfasst, natürlich nur weil in so einer TOP 100 Chartbox ja ganz viel Potenzial schlummert merkt auch der eigentliche Familien-, Arbeits-, Verkehrs- und selbst der Strafrechtler, dass mit der zumeist ebenso textbausteinbehafteten Antwort wie dies die Abmahnung war ganz leicht die eine oder andere Mark verdienen lässt. Ach nee, Euro.
Auch wenn man natürlich immer auch bedenken muss, aus welcher Ecke die jeweiligen Kontrahenten des Ausgangsfalls kommen. Der Anti-Abmahn-Anwalt Dr. Alexander Wachs ist klar, aber hinter Dennis Sevriens versteckt sich der eine Teil der Kanzlei IP Burg, welche auch schon durch Abmahnungen der vermehrten Art auf sich aufmerksam gemacht hat.

Und dann  ist es eventuell doch keine Krähe, die der anderen ein Auge aushackt, sondern die Elster, die der weißen Taube das Ei klaut oder um im Abmahnjargon zu bleiben ein Vertreter der "Dunklen Seite der Macht" lässt sich über einen sog. "Jedi-Anwalt" aus.

Dr. Abmahnung Krähen haken…